05. 九月 1997
Helnwein: Jeder der Porträtierten hat eine bestimmte Welt verkörpert. William Burroughs hat mich wegen "Naked Lunch" interessiert und weil er ein Inspirator war für viele andere Künstler. Wie jeder Künstler hatte er die Sehnsucht, Grenzen zu überschreiten. Das gelingt den meisten nur teilweise, weil jeder sehr viel Bürgertum in sich hat, und ganz wenige gehen so weit wie Burroughs.
Der Grund, warum ich ihn fotografieren wollte war, daß alle Fotos, die ich von ihm kannte, mir nie das gezeigt haben, was ich sehen wollte. Durch die Bilder, die ich von Burroughs kannte, erfuhr ich etwas über den jeweiligen Fotografen, aber nichts über den Fotografierten. Fotos von Maplethorpe sagen viel über ihn selbst aus und über seine Vorstellung von Ästhetik, aber sein Norman Mailer sieht genauso aus, wie sein Stilleben mit einer Lilie. Auch bei den Arbeiten von Helmut Newton lerne ich vor allem etwas über den Fotografen. Von Foto zu Foto weiß ich mehr über die Welt von Newton, aber über die dargestellten Menschen weiß ich nichts. Alle werden zu Newtons.
Wenn ich Fotos mache, habe ich keine Idealvorstellung, wie jemand gesehen werden sollte. Ich bin nur neugierig. Ich wollte sehen, ob es möglich ist, auf einem Foto etwas sichtbar zu machen, was man mit dem freiem Auge nicht sieht.
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