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2003年10月8日
Format
Vienna
Christoph Hirschmann
Arnold passt in kein Bewertungsschema
Christoph Hirschmann spricht mit Gottfried Helnwein über Arnold Schwarzenegger
Arnold war schon sehr früh mit Andy Warhol befreundet, zu einem Zeitpunkt wo beide noch unbekannt waren. Aber er hatte sofort Gefallen an dem blassen, schmächtigen, weissblonden Sonderling gefunden, der oft stundenlang in Trainingshallen und Umkleidräumen verbrachte und fasziniert die verschwitzten Kolosse bei ihren diversen Tätigkeiten betrachtete. Die Inspiration war offensichtlich gegenseitig, denn Arnold beschloss eines Tages, sein Bodybuilding zur Kunst zu erklären. Er wandte sich also an den Chief-Curator des angesehenen Whitney-Museums in New York und überzeugte ihn davon, dass Bodybuilding eigentlich Bildhauerei im klassischen Sinn sei, nur mit dem eigenen Körper als dem zu bearbeitenden Material. Er hat dann mit zwei anderen Kollegen tatsächlich vor staunenden Kunstfreunden, Kuratoren und Trustees des Museums eine Performance inszeniert, die die illustre Runde lange nicht vergessen sollte.
Format:
Wie gelang es Schwarzenegger als steirischem Polizistensohn in den USA fußzufassen?
Helnwein:
Arnold passt in kein Bewertungsschema. Die Gesetzmässigkeiten, Regeln und Beschränkungen, die für uns gewöhnlich Sterbliche gelten, schienen für ihn nie Gültigkeit zu haben. Schon als junger, noch relativ unbekannter Bodybuilder verkündete er gerne im Freundeskreis, eines Tages werde er nach Hollywood gehen und „so berühmt werden wie Charles Bronson und Clint Eastwood“.
Der rührende Wunsch eines schlichten Gemütes, wie es schien, vor allem wenn man bedenkt, dass er damals kein Wort Englisch sprach, wahrscheinlich nicht einmal Hochdeutsch, und, vielleicht nicht ganz unerheblich in diesem Zusammenhang, keine Ahnung von der Schauspielerei hatte. Zudem sollte man nicht außer Acht lassen, dass selbst genialste Schauspieler in der Regel kaum eine Chance auf einen Spitzenplatz in Hollywood haben, wenn sie nicht Amerikaner sind oder zumindest aus dem angelsächsischen Raum stammen.
Format:
Wann sind Sie Arnie in den USA begegnet? Was waren Ihre Eindrücke?
Helnwein:
Ich kenne ihn seit vielen Jahren, er hat eine beachtliche Kunstsammlung und besitzt auch einige meiner Arbeiten.
Arnold war schon sehr früh mit Andy Warhol befreundet, zu einem Zeitpunkt wo beide noch unbekannt waren. Aber er hatte sofort Gefallen an dem blassen, schmächtigen, weissblonden Sonderling gefunden, der oft stundenlang in Trainingshallen und Umkleidräumen verbrachte und fasziniert die verschwitzten Kolosse bei ihren diversen Tätigkeiten betrachtete.
Die Inspiration war offensichtlich gegenseitig, denn Arnold beschloss eines Tages, sein Bodybuilding zur Kunst zu erklären. Er wandte sich also an den Chief-Curator des angesehenen Whitney-Museums in New York und überzeugte ihn davon, dass Bodybuilding eigentlich Bildhauerei im klassischen Sinn sei, nur mit dem eigenen Körper als dem zu bearbeitenden Material. Er hat dann mit zwei anderen Kollegen tatsächlich vor staunenden Kunstfreunden, Kuratoren und Trustees des Museums eine Performance inszeniert, die die illustre Runde lange nicht vergessen sollte.
Format:
Welcher Sprung war für Arnie der entscheidenste? Der vom Bodybuilder zum Hollywood-Star? Der vom Businessman in die Politik …?
Helnwein:
Für Arnold waren dies alles nur logische Schritte, die in seiner Welt wahrscheinlich gar nichts Verblüffendes an sich haben, da er gewohnt ist, immer zu kriegen, was er sich wünscht.
Vielleicht ist es ein Defekt, aber er weiss gar nicht, was Selbstzweifel sind.
Vorstellungen, er könne für irgendeine Aufgabe nicht ausreichend qualifiziert sein, haben sich in seine Entscheidungsprozesse noch nie eingeschlichen.
Als er tatsächlich seine erste Filmrolle in einem B-Movie hatte – das war „Herkules in New York“ – musste er nur einen kurzen Satz sprechen. Aber trotz äusserster Anstrengung seines Sprachtrainers blieb Arnolds Satz für angelsächsische Ohren unverständlich und musste nachsynchronisiert werden. Andere hätten hier vielleicht Pläne für eine Hollywoodkarriere aufgegeben, nicht so Arnold.
Als er hörte, dass ein „Flash Gordon“-Film geplant war, bewarb er sich sofort für die Rolle.
Als er vor dem mächtigen Schreibtisch des etwas schmächtig gebauten Produzenten stand, brach er in herzhaftes Gelächter aus und fragte: „Wieso braucht eigentlich ein so kleiner Mann wie Sie einen so grossen Schreibtisch?“ Was ihm den sofortigen Verlust der Rolle einbrachte, da der Produzent Arnolds kernigen Humor nicht teilte.
Unnötig zu erwähnen, dass diese kleine Schnurre Arnolds Pläne bezüglich Hollywood nicht im Geringsten beeinflusste.
Format:
Wer sind Arnies potentesten Lobbies? Die jüdische Gemeinde? Die Kennedys? Scientology?
Helnwein:
Arnold hat nie jemand anderen gebraucht, um seine Ziele zu erreichen, was den Vorteil hat, dass er niemandem dankbar sein muss.
Es kommt mir manchmal so vor, als hätte er sich einfach nur in der Epoche geirrt, er sieht nicht nur so aus, wie man sich Herakles oder Odysseus immer vorgestellt hat, er operiert auch so. Wie diese hat er sich eine Reihe unlösbarer Aufgaben vorgenommen, die er mit der Leichtigkeit seiner antiken Vorbilder zum grossen Teil schon gelöst hat.
Jetzt hat er sich offensichtlich auch noch entschlossen, den kalifornischen Augiasstall auszumisten.
Was natürlich schon wieder eine unlösbare Aufgabe ist.
Arnold Schwarzenegger
2002




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