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2013年3月1日
Oberösterreichische Nachrichten
Kultur
Klaus-Albrecht Schröder: "Ich will nicht vor leeren Bänken predigen"
Der Albertina-Direktor Klaus-Albrecht Schröder über Besucherzahlen, Musen und Helnwein.
Eine große Helnwein-Retrospektive mit mehr als 200 Werken auf 2000 Quadratmetern, von der ersten Zeichnung, die er als 15-Jähriger gemacht hat und in der bereits zwei verwundete Kinder in einem Feld liegen, bis zur jüngsten Arbeit. Wir wollen zeigen, dass sein Werk aus drei Phasen besteht, es aber ein durchgehendes Thema gibt: der ästhetische Kampf gegen Gewalt, Unterdrückung, Verletzungen von Kindern, Schwachen, Minderheiten.
Ab Mitte März feiert Direktor Klaus-Albrecht Schröder „10 Jahre Albertina neu“. Die OÖNachrichten sprachen mit dem 57-jährigen Linzer, der sich am Dienstag um die Verlängerung seines Vertrages ab 1. Jänner 2015 beworben hat.
OÖNachrichten: Was macht den Beruf lebens- und liebenswert?
Klaus-Albrecht Schröder: Dass ich Künstler treffen kann, wenn ich sie treffen möchte. Wenn ich Robert Rauschenberg, Robert Longo, Georg Baselitz oder Gerhard Richter besuchen möchte, dann rufen wir an, und drei Tage später bin ich bei ihnen.
OÖNachrichten: Sie haben 2012 mit etwa 620.000 Besuchern abgeschlossen. Ist dieses Schielen nach der Quantität etwas, womit Sie sich angefreundet haben?
Klaus-Albrecht Schröder: Es ist eine Notwendigkeit. Als ich 1999 Direktor wurde, hat sich die Subvention sieben Jahre lang um keinen Cent verändert, das Museum ist aber um den Faktor 10 größer geworden, und der Mitarbeiterstab hat sich verfünffacht. Dafür müssen wir Geld einnehmen. Der höchste Betrag, den die Albertina vor mir erwirtschaftet hat, war 70.000 Euro im Jahr. Jetzt sind es 13 Millionen. Besucherzahlen sind eine aussagekräftige Kennzahl. Vor leeren Bänken kann man nicht predigen, und das will ich auch nicht.
OÖNachrichten: Wie spielt man das Match mit der Konkurrenz?
Klaus-Albrecht Schröder: Gar nicht. Das wird falsch eingeschätzt. 65 Prozent unserer Besucher sind Touristen. Uns trifft, wenn die AUA in eine Krise gerät, wenn sie Standorte nicht mehr anfliegt, sodass man nur mehr durch Umsteigen aus Lyon, Neapel oder Mailand nach Wien kommt, denn dann fällt der Kurztourist weg, der für zweieinhalb Tage nach Wien kommt. Was macht Wien attraktiv? Die Tatsache, dass es nicht nur einen wichtigen Anbieter von Kultur und Kunst gibt, sonder mehrere.
OÖNachrichten: Ein 10-Jahres-Jubiläum will gefeiert werden. Sie haben sich für die Meisterwerke-Schau „Bosch Bruegel Rembrandt Rubens“ entschieden, die am 13. März eröffnet wird.
Klaus-Albrecht Schröder: Ich wollte das Jubiläum mit einer wichtigen Ausstellung zu unserer Gründungssammlung, zur grafischen Sammlung, begehen – und hier wiederum mit einem Land, das von Herzog Albert, dem Gründer der Albertina, mehr als jedes andere geliebt wurde: die Niederlande. Sämtliche Werke, die wir zeigen, hat er damals im 18. Jahrhundert erworben.
OÖNachrichten: Gibt es ein Werk, vor dem Sie mehr Zeit verbringen?
Klaus-Albrecht Schröder: Im Musensaal die Muse des Tanzes, 1822 von Josef Klieber geschaffen. Sie ist von so einer Leichtigkeit, Eleganz und Fröhlichkeit. Danach drehe ich mich um und schaue die Clio an, die genau gegenüber steht: Sehr ernst, melancholisch, schreibt sie die Taten der Geschichte auf, die guten wie die schlechten. Da denke ich dann natürlich darüber nach, wie leicht ist das Leben, und was bleibt von ihm.
OÖNachrichten: Wie begeistern Sie Ihren zehnjährigen Sohn Konstantin für Kunst und Kultur?
Klaus-Albrecht Schröder: Ich gehe mit ihm gerne ins Mumok, oft ins Naturhistorische Museum, aber ich will ihn nicht überfüttern, sodass er am Ende die Kunst hasst.
OÖNachrichten: Am 25. Mai werden Sie eine Gottfried-Helnwein-Ausstellung zu seinem 65. Geburtstag eröffnen.
Klaus-Albrecht Schröder: Eine große Retrospektive mit mehr als 200 Werken auf 2000 Quadratmetern, von der ersten Zeichnung, die er als 15-Jähriger gemacht hat und in der bereits zwei verwundete Kinder in einem Feld liegen, bis zur jüngsten Arbeit. Wir wollen zeigen, dass sein Werk aus drei Phasen besteht, es aber ein durchgehendes Thema gibt: der ästhetische Kampf gegen Gewalt, Unterdrückung, Verletzungen von Kindern, Schwachen, Minderheiten.
OÖNachrichten: Wo trifft man Sie in Ihrer Heimatstadt Linz?
Klaus-Albrecht Schröder: Manchmal übernachte ich im Arcotel, damit ich nah am Ars Electronica Center bin, am Lentos, am OK, zur Not auch am Schlossmuseum.
OÖNachrichten: Wie stufen Sie diese Häuser ein?
Klaus-Albrecht Schröder: Am ambitioniertesten finde ich das Programm im OK, das sehr weit vorne ist und avanciert im Aufspüren dessen, was gerade geschieht. Ich mag das Lentos als Bauwerk, wie es am Fluss ruht. Das AEC sehe ich gerne von außen, ich bin nicht gar so ein Fan dieser Überdidaktisierung, die innen stattfindet. Und ich mag gar nicht das Schlossmuseum, da fürchte ich, ist der Zubau wirklich ganz schlimm missglückt.
Die Zukunft der Albertina
Schröder will sein Haus kontinuierlich weiterentwickeln.
Geschichte: Ab 2014 entsteht ein Museum im Museum mit vier wechselnden kulturhistorischen Ausstellungen zur Geschichte der Albertina und ihrer Bewohner.
Grafisches Kabinett: Ebenfalls ab nächstem Jahr sollen Meisterwerke präsentiert werden, die nie Gegenstand einer Großausstellung waren, „etwa unsere venezianischen Kunstwerke von Tiepolo bis Guardi“.
Albertina online: Ein Team arbeitet daran, die Albertina in die digitale Welt zu transformieren. „Sammlungen nur online zu stellen, ist eine unzureichende Antwort.“
Klaus Albrecht Schröder, Director of the Albertina
2009




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