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2008年10月8日
Die Presse
Kultur
Gottfried Helnwein: Schock und Bandagen
Gottfried Helnwein wird 60
Gepeinigte Kinder, bandagierte Gesichter und Donald Duck: Der Maler Gottfried Helnwein ist so umstritten wie populär. Am Mittwoch feiert er seinen 60. Geburtstag.
Rockmusik und Walt Disney hätten ihn mehr beeinflusst als Mozart und Leonardo da Vinci, sagte der Künstler Gottfreid Helnwein einmal. "Von Donald Duck habe ich mehr gelernt als von allen Schulen, in denen ich war." Sein Handwerk hat der Wiener an der Höheren Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt und an der Akademie der Bildenden Künste in Wien gelernt - aber seine künstlerische Inspiration hat er von Carl Barks, dem Schöpfer von Donald Duck und Micky Maus, erhalten. Dem breiten österreichischen Publikum ist Helnwein aber weniger als Gestalter großer Barks-Retrospektiven bekannt denn als Maler schockierender, hyperrealistischer Bilder. Er feiert am heute Mittwoch, dem 8. Oktober, seinen 60. Geburtstag.
"Schockieren war nie meine Absicht"
Seine Bilder von verängstigten und gepeinigten Kinder oder schreienden, bandagierten Menschen fanden auch durch Magazin-Illustrationen und Platten-Cover (etwa Marilyn Mansons "The Golden Age of Grotesque") große Verbreitung. Sie sorgten immer wieder auch für heftige Diskussionen und für sein Image als "Schock-Maler". "Schockieren ist ja nie eine Absicht gewesen. Das wäre ein dümmlicher Beweggrund, irgendwas zu machen", erklärte er einmal, "Meine Arbeit war eigentlich immer ein Versuch mit dem, was auf mich einwirkt, zurecht zu kommen oder zu darauf zu reagieren und manchmal auch sich zu wehren oder zurückzuschlagen."
Gottfried Helnwein wurde am 1948 in Wien geboren. "Wien war schwarz und 'schiach' damals, ganz anders als heute", erinnerte sich der Künstler im Vorjahr anlässlich der von ihm und Manfred Deix zusammengestellten Schau "Donald Duck ... und die Ente ist Mensch geworden" im Karikaturenmuseum Krems. "Es war fast so, als würde man in der Vorhölle sitzen. Und da kam Donald als Erlöser."
Helnwein war an der "Bildenden" Meisterschüler bei dem "phantastischen Realisten" Rudolf Hausner und wurde bereits früh mit Auszeichnungen wie dem Meisterschulpreis (1970), dem Kardinal-König-Preis (1971) und dem Theodor-Körner-Preis (1974) geehrt. Er arbeitete mit Acryl- und Ölmalerei sowie Fotografie und Performance. Dabei setzt er sich sowohl mit der Hochglanzwelt der Werbung, als auch der dunklen, verdrängten Gegenwelt des häuslichen oder psychiatrischen Alltags auseinander. Kunst oder Ästhetik seien "wahrscheinlich der einzig mögliche Weg, sich Gewalt und Schmerz und sozialen Fragen zu nähern", findet Helnwein.
Erfolge im Ausland
Neben der Trivialkultur beschäftigt sich Helnwein auch immer wieder mit dem Theater, für das er Plakate oder Bühnenbilder (u.a. für Hans Kresnik) gestaltet. 1988 schuf er zur Erinnerung an die Pogromnacht 1938 in Köln die Groß-Installation "Neunter November Nacht" zwischen Museum Ludwig und Kölner Dom.
Österreich hat Helnwein in den 1980er Jahren verlassen und danach in Deutschland, Irland und den USA gelebt und gearbeitet. In den vergangenen zwei Jahrzehnten hatte Helnwein große Ausstellungen und Retrospektiven u.a. in der Wiener Albertina, dem Russischen Museum St. Petersburg, in San Francisco, Los Angeles, dem Lentos in Linz ("Face it", 2006) oder dem Chinesischen Nationalmuseum in Peking. Trotz des Umstands, dass er Österreich schon seit längerem den Rücken gekehrt hat und heute in Los Angeles und Irland lebt, sagt Helnwein: "Eigentlich ist meine Kunst eine zutiefst österreichische Kunst."




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