Helnwein ( presse )
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Welt am Sonntag
"Lulu" war Peter Zadeks vorerst letzte Premiere in der Hansestadt. Der Intendant wählte zum Abschied ein Stück, das ihm besonders liegt
Intendant Zadek wirbt in der ganzen Stadt mit einem Plakat des österreichischen Künstlers Gottfried Helnwein für "Lulu". Das Plakat zeigt einen gnomenhaften Mann vor dem Entblößten Unterleib der Hauptdarstellerin.
Das Plakat verursachte diese Woche in der Hansestadt Proteste. So sagte die Frauenbeauftragte des Hamburger Senats, die Schriftsteller-Gattin Eva Rühmkorf: "Meiner Meinung nach ist die Grenze der Kunst überschritten."
Und Hamburgs neuer Kultursenator Ingo von Münch (FDP), der in der sechsjährigen Auseinandersetzung um die menschenverachtende rechtsfreie Zone in der Hafenstraße für "Toleranz" plädiert hatte, zeigt sich empört: "Ich finde das Plakat frauenfeindlich."
Peter Zadek zeigte sich von der öffentlichen Kritik an seiner Plakatwerbung eher ungerührt; einer Hamburger Arbeiterzeitung sagte er: "Ich lese keine Zeitungen. Ich weiß gar nicht, worum es geht. Wissen Sie was? Ich kann gar nicht lesen." ... +

Westdeutsche Allgemeine
HJ
Zwei Theaterplakate erregen zur Zeit die Öffentlichkeit an der Waterkant und am Neckar.
Das eine, entworfen von dem bekannten Künstler Helnwein, wirbt fürPeter Zadeks Neuinszinierung von Frank Wedekinds Monstertragödie "Lulu", die heute in Hamburg Premiere hat.
Es zeigt in einer Art retuschiertem Realismus den entblössten Unterleib einer Frau.
Davor steht, perspektivisch verkleinert ein Mann; es ist der Schauspieler Heinz Schubert in der Rolle des Schigolch.
Wer in dem Reklameobjekt Pornografie sieht, missversteht die Absicht des Bürgerschrecks von anno dazumal und seines Inszenators von heute: Beide wollen die Doppelmoral des Bürgertums entlarven und sexuelle Männerphantasien offenlegen.
Das sollte der Theater - wie der Plakat - Kunst erlaubt sein. ... +
Gottfried Helnwein, Lulu, Hamburg, Macbeth, Heidelberg

Abendzeitung, München
Zadek provoziert mit Helnweins "Lulu"-Plakat
Zadek hat wieder mal seinen so geliebten Skandal. Der Blick eines zwergigen Mannes in den etwas groß geratenen Unterleib einer nackten Dame provoziert derzeit die Hamburger. Gottfried Helnwein hat das "Lulu"-Plakat gestaltet. Der Künstler: "Das paßt total zur Inszenierung von Zadek, die ist auch nicht schüchtern." Premiere der Wedekindaufführung ist am 13. Februar im Schauspielhaus. ... +

Rhein-Neckar-Zeitung
Heide Seele
Gottfried Helnwein bei Friedman-Guinness in Heidelberg
"Manchmal kann man einfach nicht anders als hinschauen, staunen, glotzen, wenn das, was in den Blick, zugleich aus dem Rahmen fällt. Das ist dann meistens etwas Scheußliches, während das Schöne eher eine Verfeinerung des Vertrauten darstellt, die das Auge zwar erfreut, aber nicht bannt. Schaulust richtet sich seit altersher vornehmlich auf das Außergewöhnliche, Ungeschlachte, Häßliche". - Dieser Satz stammt von Karl Markus Michel. Wir fanden ihn in einem Buch über den Wiener Bildhauer Franz Xaver Messerschmidt mit dem Titel "Charakterköpfe", erschienen vor fünf Jahren im Beltz Verlag Weinheim.
Dieses Zitat könnte ebenso gut auf einen Landsmann des Barock-Bildhauers zutreffen, auf Gottfried Helnwein, der zur Zeit in Heidelberg weilt - nicht nur aus Gründen seiner Ausstellung in der Galerie Friedman-Guinness, nicht nur wegen des soeben über ihn in der Heidelberger Edition Braus erschienenen Buches, sondern auch wegen der Bühnenausstattung, die er für die neue Inszenierung von Hans Kresnik ("Macbeth"), deren Premiere für den 10. Februar anberaumt ist, entwirft. ... +

Nürnberger Zeitung
Nr. 152
Wan
Helnweins Projekt-Plan zur "Entarteten Kunst"
Im "Goldenen Saal" der ehemaligen Reichsparteitagstribüne auf dem Zeppelinfeld gab Helnwein jetzt über dieses facettenreiche Projekt aus Installation, Gesang, Maibild, Videoeffekte und Tanz erste Auskunft. Viele Ideen sind im Schwange, nur über wenige will er sprechen. So will er selbst einen Tanz mit mongoloiden Kindern, die die Nazis ehemals als minderwertig ansahen und ermordeten, einstudieren. Dieses Ballett des Leids soll an einer Katastrophenästhetik mitwirken, die die Perversion des Nazismus einmal nicht in Begriffen, sondern in direkter Wahrnehmung vor Augen führen soll. ... +

Gottfried Helnwein : Performance "Der Untermensch"
Weser Kurier
Spektakulärer Almauftrieb in der Kunsthalle zur Eröffnung der Helnwein-Ausstellung
"Ausstellungsoper", das ist ein Konglomerat von verschiedenen Elementen, von Bildern, Musik, Performance, Spontantheater und Video, die zu einem optisch wie akustisch bedrängenden Medienspektakel zusammenwirkten. Helnwein hat sich mit der gleichermaßen trivialen wie subtilen Ästhetik des Nationalsozialismus beschäftigt und versucht ihre Selbstentlarvung mit ihren eigenen Mitteln, wenn er zum Beispiel die Zuschauer mit dem ideologischen Gedankengut des Nationalsozialismus, etwa der Darstellung der "Gesäßformen der höheren und der niederen Rassen" oder dem deutschen Liedgut der Zeit über fünf Monitore in peinigender Penetranz konfrontiert. Oft sind es nur Wort- und Bildfetzen, die rhythmisch über die Bildschirme hämmern, begleitet von dem dumpf-leisen, zuletzt bis zum Dröhnen gesteigerten Sound der Patchwork-Gruppe, währenddessen vorn auf dem Podium zwei in deutsche Wehrmachtsuniformen gekleidete Köche ein pseudoreligiöses Meßritual zelebrieren. Schluß mit Knalleffekt - dann Stille: Von schwarz geschminkten Soldaten werden über die Treppe fünf Kühe hufdonnernd und hinter sich kleckernd in den Saal gezerrt. ... +

Morgenpost
Bremen
Isabelle Scholz
Helnwein-Ausstellung in der Kunsthalle
Kühe und Exkremente in den heiligen Räumen der Bremer Kunsthalle - Eine" Ausstellungsoper" - initiiert von Kunst-Schocker Gottfried Helnwein (38) ... +

Gottfried Helnwein : self-portrait as sub-human I
Stuttgarter Zeitung
Feuilleton
Gerhard Hesler
Wolfgang Bauer und Gottfried Helnwein in der Galerie Harthan
Ein Könner bricht mit seinem Können: mit einem spezifisch trivialen Fotorealismus, der soviel Empörung wie Aufsehen erregte. In der Galerie Harthan zeigt er bis zum 21. November Beispiele “reiner Malerei” aus diesem Jahr, große Hochformate in Öl und Acryl. Kultivierte Farbflächen mit vielsichtiger Abtönung, aufhaltsam monochrom angelegt – Farbsplitter halten den monochromen Zusammenklang auf. Unscharfe rote, blaue und grüne Streifen fallen in ungefährer Kopf-form, eine gebänderte Fechtermaske aus samtenem Schwarz. Das wandfüllende Diptychon “Selbstportrait Nr. 15 und 16” verhält sich am ruhigsten. In farbigem Schwarz und farbigem Weißgrau erkennt man jeweils eine Kopfkontur aus einer unten angeschnürten, ovalen Schlangenlinie. Kopfparaphrasen von maßvoll radikaler Sparsamkeit, solide nuanciert.
Jedes gemalte Einzelbild steht auch in einem zyklischen Medienzusammenhang. Helnwein arbeitet mit verschiedenen Medien, er malt nicht mehr fotorealistisch (sagt aber nicht: nie mehr), aber er übermalt Fotos. Auf dem Bildzwitter “Die Auferstehung” kehrt der bandagierte Kopf wieder, mit einer Mundklammer, die wie eine verrutschte Brille aussieht. Der altbekannte Gruselkopf hat gewonnen, er ist gewissermaßen zum tragischen Porträt geläutert, mit dem aufs Fotoschwarz gemalten Goyaschwarz, oder ein Antiporträt; der Speichelfaden, der aus dem Mund tropft, fällt aus jedem Porträtrahmen. ... +

Nürnberger Nachrichten
Nordbayrische Nachrichten - Fränkische Zeitung
W.F.
Gottfried Helnweins Projekt für Nürnberg
Zum fünfzigsten Jahrestag der Münchner Ausstellung "Entartete Kunst" plant der Maler Gottfried Helnwein ein spektakuläres Projekt in Nürnberg. An einem Tag im November will er im "Goldenen Saal" des einstigen Reichsparteitags-Geländes eine Kunstaktion gegen den Ungeist starten, der erwünschte Kunst verfemte, die Künstler verfolgte - und der auch nach dem Ende der Nazi-Herrschaft unterschwellig weiterlebt. ... +

Abendzeitung
Feuilleton
Helnwein, der - wie bereits berichtet - in Zusammenarbeit mit dem Regisseur Thomas Wördehoff und dem Schriftsteller Tobias Biancone für den 50. Jahrestag der Münchner NS-Schau "Entartete Kunst" im November am Nürnberger Originalschauplatz mit einer "begehbaren Skulptur" Antworten geben will auf Verdrängungsprozesse, plant eine Performance über der Schmerzgrenze: Neben einer Präsentation neuer Helnwein-Bilder zum Faschismus-Thema sollen in einer "Art Ausstellungs-Oper" der "Gesang der Arier", ein "Tanz der Untermenschen" und ein "Euthanasie-Ballett" mongoloider Kinder den Mythos aufbrechen. Helnwein ist sich bewußt, ein heikles Thema anzuschneiden ... +


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